Franz Göslbauer.

Mehr als hundert Jahre Leben.

9. November 1918 bis 28. September 2019

Lebenslauf

Franz Göslbauer wurde am 9. Nov. 1918 in St. Jakob im Walde, Filzmoos 7 (vlg. Spiegelbauer noch in der k. u. k. Monarchie unter Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita im damaligen Kronland Steiermark geboren. Zwei Tage nach seiner Geburt am 11. Nov. 1918 wurde der I. Weltkrieg beendet und einen Tag später die Republik „Deutsch-Österreich“ ausgerufen. Er kam als vorletztes Kind zur Welt und wohnte bis 1927 mit seinen Eltern und den 5 Schwestern in seinem Geburtshaus.

Franz mit seinen Eltern und 5 Schwestern

Von 1927 – 1931 wohnte die Familie bei der Tischlerei Ziegerhofer gegenüber dem Tatzhof, welchen wir heute als Gasthaus Krainer sehr gut kenn. Wenige Jahre später übersiedelte die Familie in die alte Volksschule auf den Kirchplatz neben dem Gasthaus Gesslbauer (Kirchenwirt). Das Schulgebäude ist vor einigen Jahren abgerissen worden. Die Mutter arbeitete dort als Schuldienerin, der Vater war Bäcker beim Gasthof Albert. Der Vater verstarb bereits am 6. Jänner 1939.

1. Klasse Volksschule 1926

Franz in der ersten Reihe sitzend, zweiter von links
mit Pfarrer Kapper und Oberlehrer Schegula

Die Schulferien verbrachte Franz Göslbauer meist als Viehhüter bei den Bauern Maderbacher und Schlagbauer.

3. Klasse Volksschule 1928

Franz in der letzten Reihe als Vierter von links

Im Zuge einer Ahnenforschung wurde der Name von Strassberger auf Göslbauer geändert.

1928: Franz in der letzten Reihe als Vierter von links

Nach der Pflichtschule verdingte er sich als Knecht in der Gerberei Schauer. Seine Arbeit bestand aus Rinden brechen und mahlen. Für entsprechenden Fleiß wurde ihm eine neue Joppe versprochen, die er aber nie erhielt. Um die Arbeitskraft des Knechtes aber voll auszunützen, stellte seine Chefin die Uhr immer zurück.

Am 1. Jänner 1934 begann der junge Franz seine Lehre als Müller bei der Familie Albert, die er am 14. Februar 1937 mit der Freisprechung beendete. Damals gab es weder Berufsschule noch Gesellenprüfung. Von dieser Ausbildung blieb Franz der Name „Müllner-Franz“.

Anschließend arbeitete er im Bergbau in Ratten.

Franz unter Tage mit Pferd

Im Juli 1938 kam er zum Arbeitsdienst – 6 Monate Dienst waren Pflicht. Seine erste Arbeit bestand aus Strohsackstopfen. Des Weiteren wurde er für Lagerbauten und verschiedene Holz- und Betonarbeiten eingesetzt.

1938: SA-Parade in Ratten

Marsch der SA von Ratten nach Rettenegg

In Hartberg war für die Arbeitsdienstler das Betreten des Gasthofes „Zur Sonne“ strengstens verboten, weil die Besitzer jüdischer Herkunft waren.
In Maria Lebing wurden sie in einem Siechenhaus untergebracht.
Die weiteren Stationen waren Fürstenfeld, Radkersburg und auch Mering in der Nähe von Augsburg.
Die Vorgesetzten (Truppenführer) waren zum Teil aus Deutschland.
Ab März 1939 verbrachte er ein Jahr lang als Förderer im Rattener Kohlenbergbau. Zu diesem Zeitpunkt waren auch noch 3 Pferde im Tunnel eingesetzt.

Auf Grund einer Zeitungsannonce meldete sich Franz Göslbauer für die Polizeischule. Die Musterung fand in Salzburg statt und ab März 1940 begann seine Ausbildung in der Chargenschule für Gendarmen in Mödling (4. Kompanie).

Franz in der Mitte

1941 stelle die Polizei eine Division in Baruth bei Berlin. Nach Ende des Frankreichfeldzuges war er als Besatzer in der Nähe von Paris stationiert.
Im Juni dieses Jahres ging es dann nach Ostpreußen zur Vorbereitung für den Rußlandfeldzug.
Das Artillerieregiment ging zu Fuß von Eylau bis Leningrad, eingesetzt wurde das Regiment in Luga und Puschkin.
Bei der Einnahme des Zarenschlosses, am 17. Sept. 1941, wurde Franz Göslbauer verwundet, er erlitt einen linksseitigen Durchschuss.
Mit dem Güterzug wurde er mit den anderen Verwundeten nach Königsberg und von dort weiter in ein Lazarett in der Nähe von Bonn transportiert.
An seinem Geburtstag, am 9. Nov. 1941 wurde er zum Unteroffizier befördert.

Nach seiner Genesung war er für kurze Zeit in Amersfoort in den Niederlanden stationiert, bevor er als Gefreiter wieder an die Front in Leningrad geschickt wurde.
1941/42 war der strengste Winter seit dem Napoleon-Feldzug im Jahre 1810. Die Temperaturen fielen bis zu -54°C.
Nach dem Einsetzen des Tauwetters im Frühjahr benötigte man fallweise 12 Pferde, um ein Geschütz aus dem Dreck zu ziehen, zudem war die Gelsenplage extrem.

Franz Göslbauer war bei der 4. SS-Polizeidivision zwischen Puschkin und Newa-Bogen in der Hauptkampflinie im Einsatz, als er das zweite Mal verwundet wurde (2. Sept. 1942). Ein Granatsplitter steckte im linken Lungenflügel. Auch diesmal wurden die Kriegsverletzten mit dem Zug nach Ostpreußen in ein Lazarett gebracht.

Nach seiner Gesundung und einem Heimaturlaub schickte man ihn – wieder von Amersfoort – zur Hochgebirgsschule der SS in Neustift im Stubaital. Im Jänner wurde die Truppe im Schifahren und Langlaufen ausgebildet.

Einer seiner Ausbildner war der Bergsteiger Fritz Kasparek, der mit Heinrich Harrer die Eiger Nordwand bestiegen hat.

Wieder zurück in Amersfoort erhielt er mit seinen Kameraden den Marschbefehlt nach Jugoslawien, zur Division Prinz Eugen. Eingeteilt für die 5. Batterie Artillerieregiment (10,5 Kaliber Gebirgskanone).
Sarajewo, Mostar und Metkovic waren ihre Einsatzorte zur Partisanenbekämpfung.
Zwischen Mostar und Metkovic hatte Franz Göslbauer einen Unfall mit einer Beiwagenmaschine. Resultat – beidseitiger Schienbeinbruch, Wadenbein- und Schlüsselbeinbruch. Einlieferung ins Kriegslazarett in Mostar.

Ende des Winters 1943 wurde ihm das EK II und die Ostmedaille verliehen. Letztere wurde auch als Gefrierfleischorden bezeichnet.

Vom Lazarett in Mostar brachte man ihn zurück nach Österreich. Während der neunmonatigen Rekonvaleszenz war er im Genesungsheim in Trofaiach untergebracht.

1944 kehrte er nach Amersfoort zurück. Nach dem Beginn der Invasion wurden die Soldaten mit Marineautobussen in die Normandie transportiert. Obwohl die Division im Kessel von Fallaise eingeschlossen war, gelang dennoch der Ausbruch. Anschließend Rückzug über die Seine bei Elbeuf.

Bei seiner Tätigkeit als Unteroffizier war Franz Göslbauer immer als „VB“ (vorgeschobener Beobachter) im Einsatz.

Nach dem Ender der Invasion schickte man die Truppe zur Wiederauffüllung nach Bremen.
Bei einem 4-wöchigen Kurs wurde Franz Göslbauer in Jülich und Zülpich zum Panzerkommandanten ausgebildet.

Im November 1944 erhielt er das EK I und Beförderung zum Oberscharführer (Feldwebel).

Wieder zurück in Frankreich kämpfte er ab Dezember 1944 bei der Ardennenoffensive. Einmal musste ein Angriff wegen Spritmangel, ein anderes Mal wegen schönem Wetter abgesagt werden (bei schönem Wetter gab es Tieffliegerangriffe).

Anschließend wurde er mit seinen Kameraden nach Ungarn versetzt. Sie wurden in Stuhlweissenburg, 60 km westlich von Budapest zur Frontstabilisierung gebraucht.
Von den Russen zurückgedrängt erst bis Ödenburg (Kriegsende) und dann weiter bis Scheibbs in Niederösterreich.

Um nicht in russische Gefangenschaft zu geraten, musste die 12. Division die Enns überqueren. Letzter Termin war der 8. Mai 1945, 9 Uhr Vormittag. (Detail am Rande: in Ungarn wurde ein russischer Beutepanzer von den Amerikanern auf einen Lastwagen verladen und nach Linz gebracht.)

Von dort ging es nach einem 20km langen Fußmarsch nach Kleinmünchen in die Gefangenschaft. Nach einigen Wochen wurden die Österreicher von den Deutschen getrennt. Die Waffen-SS wurde später nach Glasenbach bei Salzburg gebracht, wo Franz Göslbauer bis 1947 in Gefangenschaft war. Gezeichnet durch große Hungersnöte mussten die Gefangenen manchmal sogar Gras essen.

1947: Rückkehr aus der Gefangenschaft

Nach seiner Heimkehr 1947 stellte er aus alten Autoreifen Sandalen her, um sich das Notwendigste kaufen zu können.

Am 14. Sept. 1948 heiratete er die Gastwirtstochter Maria Gesslbauer (Kirchenwirt). Ab dieser Zeit war er beim Gasthaus Albert als Müller angestellt.

14.09.1948: Hochzeit mit Maria Gesslbauer

Von 1958 bis 1962 arbeitete Franz Göslbauer im Braunkohlenbergbau in Ratten. Nach der Schließung des Bergbaues wechselte er zur VOEST-Alpine nach Krieglach.

1978 ging Franz in den wohlverdienten Ruhestand.