Musikverein
Eine seiner großen Freuden war die Tätigkeit im Musikverein Ratten, bei dem er bis zu seinem Tode Ehrenmitglied war.
Freiwillige Feuerwehr Ratten
Begeistertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ratten.
ÖKB / Kriegsjahre
1948 trat er dem Vorläufer des Österreichischen Kameradschaftsbundes, dem Unterstützungs- und Wohltätigkeitsverein bei. Vom Ortsverband wurde er mit allen Auszeichnungen beliehen; zuletzt mit der Großen Goldenen Medaille für 70jährige Mitgliedschaft im Jahre 2011.
Musikverein Ratten
Eine seiner großen Freuden war die Tätigkeit im Musikverein Ratten, bei dem er bis zu seinem Tode Ehrenmitglied war.
Nachruf
Hochwürdiger Herr Pfarrer!
Geschätzte Trauerfamilie, liebe Frau Göslbauer!
Liebe Musikerinnen und Musiker!
Werte Trauergemeinde!
Tief betroffen haben wir vor wenigen Tagen die Nachricht erhalten, dass unser langjähriger Musikkamerad, unser Ehrenmitglied Franz Göslbauer, uns in der Nacht von Samstag auf Sonntag für immer verlassen hat.
Lieber Franz!
In großer Trauer stehen wir – die Musikerinnen und Musiker des Musikvereines Ratten – heute vor deinem Sarg, um dich auf deinem letzten Weg zu begleiten und von dir Abschied zu nehmen.
Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt Ihnen, liebe Frau Göslbauer, und euch, liebe Astrid, lieber Harald und Dietmar, und der gesamten Trauerfamilie!
Du warst über viele Jahrzehnte ein Musiker mit Leib und Seele und hast dich mit ganzem Herzen deiner Liebe zur Musik verschrieben.
Es ist keine Übertreibung, wenn man dich, der ein gesegnetes Alter von über 100 Jahren erreicht hat, als einen Pionier, als einen wichtigen Teil der Geschichte der Musikkapelle und des Musikvereines Ratten bezeichnet.
Du warst ein äußerst verdienter Musiker, der großartige Leistungen für den Verein und somit auch für die Bevölkerung und die gesamte Gemeinde erbracht hat, immer verlässlich, engagiert, mit einem hohen Maß an Pflichtbewusstsein und gelebter Kameradschaft.
Du wurdest am 9. November 1918 geboren, also vor über 100 Jahren, und warst somit unser ältestes Ehrenmitglied und wohl eines der ältesten in der österreichischen Blasmusik.
Ab dem Jahre 1947, nach deiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft, warst du aktives Mitglied unseres Musikvereines und somit auch Gründungsmitglied unseres Vereines im Jahre 1949.
Dein Herz für die Musik hattest du bereits sehr früh entdeckt, du hast ja bereits ab dem Jahre 1929 Geige gelernt, später auch Bassgeige gespielt, und warst schon vor dem 2. Weltkrieg Mitglied eines Streichorchesters, das hier, in unserer Pfarrkirche, musiziert hat.
Nach dem Krieg hast du dich aber ganz besonders der Blasmusik zugewandt, zunächst noch auf dem Schlagzeug, aber sehr bald hast du deine Liebe zum Helikon bzw. zur Tuba entdeckt.
In einer schwierigen Zeit hast du gemeinsam mit deinen Kameraden dafür gesorgt, dass in Ratten Blasmusik zu hören war, und den Menschen dadurch Freude und Trost gespendet.
Und von allen deinen Freunden und Kollegen wurdest du respekt- und liebevoll „Der Müllner Franz“ genannt.
Es war auch z.B. dein Mühlstüberl in der Albert-Mühle, in dem sich in dieser Zeit zahlreiche Musiklehrlinge eingefunden haben, um in diesem umfunktionierten Probenraum ihr Musikinstrument zu erlernen.
Neben deinen vielfältigen musikalischen Aktivitäten warst du auch viele Jahre Funktionär in unserem Musikverein, z.B. lange Jahre als Archivar und auch als Obmann-Stellvertreter.
Auch durch deinen großen Einsatz beim ersten Musikerhaus-Bau in den 60er-Jahren hast du dich ganz besonders ausgezeichnet.
Und schließlich konnte man dich mit Fug und Recht sozusagen als wandelndes Lexikon, was die lokale Rattener Musikgeschichte betrifft, bezeichnen.
Nicht vergessen werden darf, dass du deiner Tochter Astrid die Liebe zum Flötenspiel vermittelt hast, die dann in der Folge das allererste weibliche Mitglied in unserem Musikverein war.
Für deine großen Leistungen für die Musik hast du zahlreiche Auszeichnungen erhalten, und als du im Jahre 1980 deine aktive Tätigkeit beendet hast, wurde dir als äußerst verdienstvollem Musiker die Ehrenmitgliedschaft des Musikvereines Ratten verliehen.
All die Jahre, in denen wir uns immer freuten, wenn wir in deiner Gegenwart sein konnten oder du uns z.B. im Musikerhaus besucht hast, hast du uns deine tiefe Freundschaft und Verbundenheit zu unserem Musikverein und dein großes Interesse an den aktuellen Entwicklungen, was in der Musik und im Verein passiert, spüren lassen.
Und als wir im letzten November die Ehre hatten, dir als Musikkapelle mit einem kleinen Ständchen bei dir zu Hause zu deinem 100. Geburtstag gratulieren zu dürfen, war das für uns eine ganz besondere Freude.
Lieber Franz!
Wir sind sehr dankbar für all das, was du für unseren Musikverein geleistet hast, für deine Kameradschaft, die Verbundenheit und die Freundschaft, die wir von dir erfahren durften.
Wir werden dir immer ein ehrendes Andenken bewahren.
Obmann Werner Prinz,
im Namen des Musikvereines Ratten und aller Musikerinnen und Musiker
Freiwillige Feuerwehr Ratten
Franz Göslbauer war begeistertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ratten.
Nachruf
Liebe Familie Göslbauer,
sehr geehrte Angehörige,
werte Trauergemeinde,
liebe Feuerwehrkameraden,
„Ich hatt´ einen Kameraden, einen bessern findst du nicht“ – mit diesem Lied nehmen wir heute Abschied von einem Eckpfeiler der Feuerwehr Ratten.
Diese Liedzeile trifft genau auf unseren ältesten und langjährigsten Kameraden Franz zu. Wir trauern heute um unseren Ehrenhauptlöschmeister Franz Göslbauer.
Franz wurde am 9. Nov. 1918 in St. Jakob geboren und begann zeitgleich mit dem Eintritt in die Feuerwehr im Jahr 1937 seine Lehre bei der Fa. Albert als Müller. Nach dem Krieg war der „Müner“ Franz, wie er von allen genannt wurde, hier angestellt. Von 1958 bis 1962 arbeitete er im Braunkohlenbergbau in Ratten. Nach Stilllegung des Bergbaues pendelte er bis 1978 ins Werk nach Krieglach.
Jung und mit einer gesunden Portion Ehrgeiz nahm er an zahlreichen Feuerwehrwettkämpfen teil und erwarb 1952 das Steirische Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze und 1967 in Silber.
Franz absolvierte an der LFS in Graz die Lehrgänge des Grpkdt. und des Maschinisten mit sehr gutem Erfolg.
Das zeigte, dass er das Feuerwehrwesen schon immer sehr ernst nahm und sich voll einsetzte. Zur Tätigkeit eines Feuerwehrmannes gehörte bei Kdt. Albert unter anderem auch, als Taxitänzer die Frauen bei Bällen bestens zu unterhalten. Auch diese Funktion hat er pflichtbewusst ausgeführt.
Das waren damals wirklich schwierige Zeiten als Feuerwehrmann. 1948 hat er seine Maria geheiratet.
1952 wurde er zum Löschmeister ernannt und konnte bei den damaligen schwierigen Einsätzen seine Erfahrung und sein technisches Verständnis und Geschick bestens einbringen.
Franz übernahm 52 für viele Jahre auch die Funktion des Maschinenmeisters und sein Idealismus und persönlicher Einsatz war auch für ihn eine Selbstverständlichkeit, um in dieser damaligen schwierigen Zeit beim Aufbau unserer Wehr sich voll zu engagieren. Unseren 1er Wagen, einen alten Steyr LKW hat er zusammen mit Franz Kratzer in über 1000 Stunden Eigenleistung zu einem Feuerwehreinsatzfahrzeug mit Vorbaupumpe umgebaut. Dieses Fahrzeug mit Bänken auf der Ladefläche diente auch als Mannschaftstransportfahrzeug zu zahlreichen lustigen Feuerwehrfesten der Nachbargemeinden, wie uns Zeitzeugen immer wieder berichtet haben.
Für seine Mitmenschen da zu sein und die Kameradschaft prägten sein Leben. Nicht nur bei der Feuerwehr, auch als Rettungsfahrer engagierte sich Franz. Besonders die Kameradschaft lag ihm sehr am Herzen.
Eine Auszeichnung kann nur ein kleines Zeichen der Dankbarkeit für unzählige aufopferungsvollen Stunden sein. So wurde er mit der Medaille für 60-, 70-, 75- und im Jahre 2014 für 80-jährige verdienstvolle Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Feuerwehr- und Rettungswesens vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung ausgezeichnet.
1965 wurde ihm die Steirische Hochwasser-Medaille in Bronze verliehen.
Im Jahre 1988 wechselte er auf sein Ansuchen hin in den Mitgliederstand „Außer Dienst“ und wurde am selben Tag zum E-HLM ernannt.
Nach dem Übertritt in den Reservestand konnte er noch viele fröhliche Stunden im Kreise seiner Freunde und Kameraden der 2. Abteilung verbringen.
Ging es darum eine Feuerwehr-Veranstaltung vorzubereiten oder beim Zusammenräumen mit an zu packen, Franz war verlässlich und pünktlich zur Stelle. Bis ins hohe Alter half er uns, so gut es seine Kräfte noch zugelassen haben.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mit Arbeitsmantel, Hut und Besen ausgerüstet für reinen Boden nach den Festen sorgte. Seine liebevolle Gattin Maria gab ihm den notwendigen Rückhalt, und auch sie unterstützte jede Veranstaltung tatkräftig.
Ein alter Feuerwehrhelm, den er mir in seiner Werkstatt übergeben hat, bleibt uns als besonderes Erinnerungsstück erhalten.
Jedes Leben findet mal ein Ende, das Schicksal schlägt zu. Es gibt Menschen, von denen man letzten Endes sagt: „Er hatte ein langes und erfülltes Leben“ – so auch Kamerad Franz Göslbauer.
Lieber Franz, ich darf dir im Namen aller Feuerwehrkameraden der Feuerwehr Ratten und unserer Partnerfeuerwehr Waldalgesheim für deine Hilfsbereitschaft und Kameradschaft, ein aufrichtiges und stilles Danke aussprechen.
DANKE
Hier ist ein Mensch von uns gegangen, dem wir vieles zu verdanken haben, der in uns lebendig bleiben wird und dem wir ein ehrendes Andenken bewahren werden.
So ruf ich dir zum letzten Male unseren Feuerwehrgruß zu:
„GUT HEIL“
ÖKB / Kriegsjahre
1948 trat er dem Vorläufer des Österreichischen Kameradschaftsbundes, dem Unterstützungs- und Wohltätigkeitsverein bei. Vom Ortsverband wurde er mit allen Auszeichnungen beliehen; zuletzt mit der Großen Goldenen Medaille für 70jährige Mitgliedschaft im Jahre 2011.
Erste Verwundung
Nach seiner Lehre und einer kurzen Zeit im Bergbau zu Ratten rückte Franz am 4. Juli 1938 zum Reichs-Arbeits-Dienst ein. Auf Grund einer Zeitungsannonce meldete sich der junge Göslbauer für die Ausbildung zur Polizei und kam im März 1940 zur Chargenschule der Polizei nach Mödling. Danach versah er als Polizist Dienst in Wien.
Auf Grund der Kriegsereignisse musste im Jahr 1941 die Polizei, deren Chef der Reichsführer SS, Heinrich Himmler war, eine Infanteriedivision aufstellen. Die Aufstellung der „SS-Polizei-Division“ erfolgte in Baruth, ca. 40 km südlich von Berlin. Franz Göslbauer war im Artillerieregiment eingeteilt. Diese Division war nach dem Frankreich-Feldzug als Besatzungstruppe in der Nähe von Paris eingesetzt.
Nach kurzer Vorbereitung verlegte die „Polizei-Division“ nach Russland und Kamerad Franz Göslbauer war bei der Einnahme des Zarenschlosses in Puschkin bei St. Petersburg im September 1941 dabei und wurde erstmals mit einem Durchschuss durch die linke Brust verwundet. Mit einem Güterzug wurden die Verwundeten zunächst nach Königsberg, heute Kaliningrad und später in ein Lazarett bei Bonn abtransportiert.
Zweite Verwundung, Ostfront und Normandie
Franz wurde am 9. November 1941, im Alter von 23 Jahren, zum Unteroffizier befördert. Nach kurzer Rekonvaleszenz in den Niederlanden wurde er wieder an der Ostfront eingesetzt. Der Winter 1941/42 war, wie er mir erzählte, seit dem Napoleon-Feldzug 1810 der strengste; Temperaturen um -54 Grad Celsius wurden gemessen. Das später folgende Tauwetter verwandelte den Boden in so tiefen Morast, dass 12 Pferde gebraucht wurden, um eine Artilleriekanone zu ziehen.
Ein zweites Mal wurde Kamerad Franz Göslbauer verwundet; Granatsplitter in der linken Lunge. Nach Genesung und Urlaub in der Heimat wurde er zur Hochgebirgsschule in Neustift im Stubaital südlich von Innsbruck abkommandiert, wo er im militärischen Schilauf ausgebildet wurde. Gleich nach dieser Alpinausbildung wurde seine Artillerie-Einheit, Teil der „SS-Division Prinz-Eugen“, nach Jugoslawien verlegt. Seine Einsatzorte waren Sarajewo, Mostar und Metkovic, 15 km von der Adria entfernt. Dort wurde er durch einen Unfall mit einer Beiwagenmaschine schwer verletzt – beiderseitiger Schienbein- und Wadenbeinbruch. Vom Lazarett in Mostar brachte man ihn nach Trofaiach in der Steiermark zur Genesung.
Feldwebel und Kriegsende
Der kurzfristiger Einsatz an der Westfront in der Normandie brachte Franz Göslbauer nicht nur die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes I. Klasse sondern auch die Beförderung zum Feldwebel, in der SS Oberscharführer genannt, also ein Unteroffizier mit Portepee. Zu Jahresbeginn 1945 wurde seine Einheit in den Raum Stuhlweissenburg beim Plattensee in Ungarn verlegt. Die angreifenden Russen drückten seine Einheit bis Ödenburg (Sopron) und weiter bis Scheibbs in Niederösterreich zurück.
Um nicht in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten, musste die Enns überquert werden. Danach ging es in die amerikanische Kriegsgefangenschaft nach Salzburg. Franz wurde am 21. Juni 1947 aus dieser entlassen; er war im 28. Lebensjahr.






